Schummelbluse (aka Hemdbrust für Damen)

falschebluse01Dieses hübsche, hell-lachsrosafarbene Teilchen war bei einem Konvolut von Kleidbesätzen (Kragen, Manschetten usw.) dabei das ich online gekauft habe. Es handelt sich um eine ‚falsche Bluse‘, die unter einem Kleid oder auch unter einem Anzug getragen werden kann, wie ein Schnittmuster aus den 1930er-Jahren zeigt. Tragen werde ich dieses sehr gut erhaltene Stück nicht, da mir die Farbe überhaupt nicht steht, aber als Modell für ein selbstgenähtes Stück ist es wunderbar zu gebrauchen. Eine genaue Datierung ist bei dieser Hemdbrust schwierig, denn ähnliche Stücke sieht man sowohl anfangs des 20. Jahrhunderts als auch in späteren Jahren (früher auch, aber das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen). Ein Hinweis zur Datierung wäre die Stoffart, dazu müsste ich eine Brennprobe machen. Nur weiss ich nicht, wo ich Fäden für diese Probe ziehen könnte, die Nähte sind alle so schön versäubert dass ich keine öffnen möchte.

Die Hemdbrust besteht aus einem sehr weichen, wunderbar fliessenden Stoff. Ich bin mir nicht sicher, ob es Seide oder Viskose ist, eine Brennprobe habe ich wie gesagt nicht gemacht. Das Rückenteil ist aus feinem Baumwollstoff hergestellt und wird mit Druckknöpfen geschlossen. Nur die Nähte am Rückenstück sowie diejenigen zum Anbringen der Schrägbänder wurden mit der Maschine gemacht, alles Weitere von Hand. Die Schrägbänder wurden mit ganz feinen Hexenstichen heruntergenäht, die man auf der Vorderseite kaum sieht. Ebenso handgemacht sind die kleinen Garnschlaufen für die Knöpfe am Kragen. Die Glasknöpfchen sind auf der Innenseite des Kragens angebracht; ich frage mich, ob das so gemacht wurde, dass die Hemdbrust mit dem so entstandenen fast unsichtbaren Verschluss zu möglichst vielen Kleidungsstücken passt. Ich find’s schade, dass die Knöpfchen auf der Innenseite sind, finde sie sehr niedlich. Wenn ich irgendwann mal so eine Schummelbluse nähe, werde ich die Knöpfe ziemlich sicher aussen anbringen.

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falschebluse06Am rechten Rand des Vorderteils gibt es eine fein säuberlich gearbeitete Flickstelle. Solche Details mag ich. 🙂 Der Riss wurde von Hand mit einer Art Kreuzstich versäubert, danach wurde ein kleines Stück Stoff untergelegt und mit der Maschine festgenäht.

 

 

 

falschebluse07Ein Schnittmuster von 1943, auf dem eine Hemdbrust abgebildet ist.

 

 

 

 

 

 

Getrödelt, Gefunden, Gefreut! #5

getroedelt03-03Gleich vorweg: Über dieses gute Stück habe ich noch nicht viel herausgefunden, ich stecke noch mitten in der Recherche. Und ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich alt ist oder eine Reproduktion, z.B. für einen Film.

Es handelt sich um einen Wäschesack der Schweizer Armee, mit dem der Soldat seine Kleidung zum Waschen und/oder Flicken in die in Bern angesiedelte Kriegswäscherei senden konnte. Ich habe eine Postkarte mit einem Motiv der Kriegswäscherei gefunden, die von 1915 datiert (Quelle). Also gehe ich davon aus, dass der Sack in die Zeit des ersten Weltkriegs datiert werden sollte, und nicht in die des zweiten Weltkriegs. Der Sack ist aus einem sehr festen Leinen- oder Baumwollstoff genäht und oben mit einem Verschlussband versehen. Auf der Vorderseite sind Ösen, durch die eine Schnur gezogen wurde, um daran die Adresskarte festzumachen.

Wie gesagt, viel weiss ich noch nicht. Kommt Zeit, kommt Rat.

Mehr Flohmarktfundstücke gibt es wie immer beim beswingten Fräulein zu sehen.