Getrödelt, Gefunden, Gefreut! #6

getroedelt06-01Stopfkugeln, -eier und -pilze sind wohlbekannte Helfer, die sich in fast allen Handarbeitskörben finden. Dass es auch Webrahmen für Stopfarbeiten gibt wusste ich nicht, bis mir auf einem Antiquitätenmarkt – an der Sammlerbörse in Basel, wenn ich mich richtig erinnere – diese kleine Kartonschachtel begegnete. Ich lese auf dem Etikett: Handstopfapparat. Aha. „Günthers Spinnefix“, was für ein lustiger Name. Schachtel fix geöffnet, darin finde ich ein Holzteil, auf dem ein Stück Stoff mit einem kleinen gewebten Flicken drauf mit einer grossen Feder ringsherum befestigt ist. Interessant. Weiter sind da noch eine lange Nadel, zwei Metallteile sowie ein Extra-Holzstück. Ich nehme alles aus der Schachtel raus und finde zuunterst die vollständige Gebrauchsanweisung. Hurra! Es ist immer ärgerlich, wenn die Gebrauchsanweisung fehlt und man sich die Verwendung der Teile zusammenreimen muss. Das bleibt mir hier ja nun glücklicherweise erspart. Nachdem ich festgestellt habe, dass alle Teile des Gerätes vorhanden sind, wechseln 20 Franken den Besitzer und das Schächtelchen wandert in meine Tasche. Ich schätze das Alter dieses Geräts auf knapp 100 bis 110 Jahre, das Etikett auf der Schachtel sieht doch sehr nach einer Entstehung während den frühen 1900er-Jahren aus. Das Ganze wurde sehr sorgsam behandelt, hat kaum Macken. Sogar die Kartonschachtel ist bis auf die kleine Delle rechts in einwandfreiem Zustand. Ich habe den Handstopfapparat noch nicht ausprobiert, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Bis dahin macht er sich ganz gut als Dekoobjekt auf meinem alten Nähmaschinentischchen.

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Bei Frl. Swing gibt es in der aktuellen Getrödelt-Gefunden-Gefreut!-Ausgabe einen hübschen Hut zu sehen, dazu Links zu Beiträgen von weiteren Teilnehmern der Trödelrunde.

P.S.: Ich muss gestehen, dass ich beim ersten flüchtigen Betrachten des Schachteletiketts dachte „Äääähhh, was hat die Frau denn da in der Hand?!“ Jaja, ich hab zuviel Fantasie. *lach*

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Schummelbluse (aka Hemdbrust für Damen)

falschebluse01Dieses hübsche, hell-lachsrosafarbene Teilchen war bei einem Konvolut von Kleidbesätzen (Kragen, Manschetten usw.) dabei das ich online gekauft habe. Es handelt sich um eine ‚falsche Bluse‘, die unter einem Kleid oder auch unter einem Anzug getragen werden kann, wie ein Schnittmuster aus den 1930er-Jahren zeigt. Tragen werde ich dieses sehr gut erhaltene Stück nicht, da mir die Farbe überhaupt nicht steht, aber als Modell für ein selbstgenähtes Stück ist es wunderbar zu gebrauchen. Eine genaue Datierung ist bei dieser Hemdbrust schwierig, denn ähnliche Stücke sieht man sowohl anfangs des 20. Jahrhunderts als auch in späteren Jahren (früher auch, aber das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen). Ein Hinweis zur Datierung wäre die Stoffart, dazu müsste ich eine Brennprobe machen. Nur weiss ich nicht, wo ich Fäden für diese Probe ziehen könnte, die Nähte sind alle so schön versäubert dass ich keine öffnen möchte.

Die Hemdbrust besteht aus einem sehr weichen, wunderbar fliessenden Stoff. Ich bin mir nicht sicher, ob es Seide oder Viskose ist, eine Brennprobe habe ich wie gesagt nicht gemacht. Das Rückenteil ist aus feinem Baumwollstoff hergestellt und wird mit Druckknöpfen geschlossen. Nur die Nähte am Rückenstück sowie diejenigen zum Anbringen der Schrägbänder wurden mit der Maschine gemacht, alles Weitere von Hand. Die Schrägbänder wurden mit ganz feinen Hexenstichen heruntergenäht, die man auf der Vorderseite kaum sieht. Ebenso handgemacht sind die kleinen Garnschlaufen für die Knöpfe am Kragen. Die Glasknöpfchen sind auf der Innenseite des Kragens angebracht; ich frage mich, ob das so gemacht wurde, dass die Hemdbrust mit dem so entstandenen fast unsichtbaren Verschluss zu möglichst vielen Kleidungsstücken passt. Ich find’s schade, dass die Knöpfchen auf der Innenseite sind, finde sie sehr niedlich. Wenn ich irgendwann mal so eine Schummelbluse nähe, werde ich die Knöpfe ziemlich sicher aussen anbringen.

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falschebluse06Am rechten Rand des Vorderteils gibt es eine fein säuberlich gearbeitete Flickstelle. Solche Details mag ich. 🙂 Der Riss wurde von Hand mit einer Art Kreuzstich versäubert, danach wurde ein kleines Stück Stoff untergelegt und mit der Maschine festgenäht.

 

 

 

falschebluse07Ein Schnittmuster von 1943, auf dem eine Hemdbrust abgebildet ist.

 

 

 

 

 

 

Getrödelt, Gefunden, Gefreut! #5

getroedelt03-03Gleich vorweg: Über dieses gute Stück habe ich noch nicht viel herausgefunden, ich stecke noch mitten in der Recherche. Und ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich alt ist oder eine Reproduktion, z.B. für einen Film.

Es handelt sich um einen Wäschesack der Schweizer Armee, mit dem der Soldat seine Kleidung zum Waschen und/oder Flicken in die in Bern angesiedelte Kriegswäscherei senden konnte. Ich habe eine Postkarte mit einem Motiv der Kriegswäscherei gefunden, die von 1915 datiert (Quelle). Also gehe ich davon aus, dass der Sack in die Zeit des ersten Weltkriegs datiert werden sollte, und nicht in die des zweiten Weltkriegs. Der Sack ist aus einem sehr festen Leinen- oder Baumwollstoff genäht und oben mit einem Verschlussband versehen. Auf der Vorderseite sind Ösen, durch die eine Schnur gezogen wurde, um daran die Adresskarte festzumachen.

Wie gesagt, viel weiss ich noch nicht. Kommt Zeit, kommt Rat.

Mehr Flohmarktfundstücke gibt es wie immer beim beswingten Fräulein zu sehen.

 

Getrödelt, Gefunden, Gefreut! #4

getroedelt04-01Der 1. August ist der Schweizer Nationalfeiertag, deshalb gibt es im heutigen Getrödelt-Gefunden-Gefreut schweizorientierte Flohmarktfunde zu sehen. In diesen Stücken verbinden sich zwei meiner Interessensgebiete: Fotografie und die Berner Tracht. Die Bilder stammen von verschiedenen Märkten und Messen, ich kaufe immer wieder welche, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Kästchen voller alter Fotos durchsuchen macht Spass!

Alle Bilder in diesem Beitrag zeigen Festtagstracht, ich habe bisher noch keine Studiofotografie einer Werktagstracht gefunden. Das wundert mich allerdings nicht wirklich, denn damals gingen die Leute ja meist im Sonntagsstaat zum Fotografen. Es ist spannend zu sehen, wie wenig sich die Tracht zwischen der Entstehungszeit dieser Bilder und heute verändert hat. Im Wesentlichen sehe ich nur eine Änderung bei der Rocklänge. Der Miederschnitt sowie die dazu getragenen Blusen resp. Unterkleider sind nahezu unverändert. Der Silberfiligranschmuck sieht heute auch immer noch gleich aus wie damals, oft werden die Stücke auch innerhalb der Familie weitergegeben und von verschiedenen Generationen getragen. Was auffällt, ist, dass auf diesen Fotos nur das eine junge Mädchen die Rosshaarhaube trägt, die Frauen nicht. Warum das so sein könnte, muss ich noch herausfinden.

getroedelt04-02Die Dame links auf dem Bild trägt die Sonntagstracht mit Silberschmuck. Zu dieser Tracht wird eine Seidenschürze getragen. Die silbernen Haken auf dem Mieder sind abnehmbar, die Tracht lässt sich somit auf verschiedene Arten tragen. Die Silberketten, die seitlich unter den Armen hindurch verlaufen, werden im Rücken an Filigranbroschen befestigt, leider kann man das auf diesen Bildern nicht sehen. Das Mieder besteht aus Samt, entweder schlicht oder wie hier mit Ausbrennermuster. Zur Sonntagstracht werden oft filochierte fingerlose Handschuhe getragen; ich finde die Armbänder des Fotomodells mindestens genauso hübsch.

Die rechts abgebildete Frau trägt ebenfalls eine Festtagstracht, erkennbar am Silberschmuck. Die langärmelige Variante wird Tschöplitracht genannt (Tschöpli = Jacke). Das Mieder dieser Trachtenart besteht aus Wollstoff, wie der Rock.

getroedelt04-03Genau so interessant wie die Fotos sind die Rückseiten derselben. Diese sind mit dem Firmenzeichen des Fotografen sowie Angaben zu seinen Angeboten versehen. Ich habe für die Abbildung zwei Exemplare ausgesucht, die ich besonders schön finde.

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Beim beswingten Allerlei gibt es diesmal ein Bastelheft aus dem Jahr 1962 zu sehen, und natürlich Links zu weiteren Teilnehmern von Getrödelt-Gefunden-Gefreut.

Getrödelt, Gefunden, Gefreut! #3

getroedelt03-01Im Juni war ich nur als Verkäuferin auf dem Flohmarkt anzutreffen, deshalb zeige ich ein Stück, das ich letztes Jahr an der Sammlerbörse Basel während der Basler Herbstmesse erstanden habe.

Ich mag alte Fotos sowieso schon gerne, und wenn sie dann noch in so einem speziellen Format daherkommen, erst recht. Kleinformatige Fotos hab ich schon viele gesehen, aber so winzige Bilder sind mir noch selten untergekommen. Kein Wunder also, dass ich dies Büchlein nicht mehr aus der Hand gegeben habe, als ich es an einem Verkaufsstand entdeckte; um keinen Preis wollte ich das Risiko eingehen, dass es mir jemand wegschnappt. Leider konnte mir die Verkäuferin nichts darüber sagen, woher es kommt oder wen die Bilder zeigen. Das Album misst ganze 7 x 5 cm, und die Ausschnitte für die Fotos sind 34 x 23 mm gross. Die Bilder sind bunt gemischt: Porträtaufnahmen, Urlaubsbilder und Fotos von Ausflügen. Auf der Innenseite des Deckels ist der Hersteller des Albums (Tebe für Leica) aufgedruckt; darüber klebt ein winziger Fotoausschnitt, von dem ich denke, dass er die Besitzerin des Büchleins zeigt.

getroedelt03-02 Ich vermute aufgrund der Kleidung und der Frisuren der Damen, dass die Bilder in den späten 1930er-Jahren entstanden sind.

Das Büchlein ist ein Fund, den ich immer wieder gerne zur Hand nehme und betrachte, denn auf den Fotos gibt es so viele Details zu entdecken.

Beim beswingten Allerlei gibt’s noch mehr interessante ‚Beutestücke‘ zu sehen.