Lebendige Geschichte: Wackershofen 1945

Dieses Jahr durfte ich bereits zum zweiten Mal an der wunderbaren Veranstaltung zum Kriegsende 1945 – auch bekannt als „Der erste Sommer im Frieden“ – im Freilichtmuseum Wackershofen teilnehmen. Am 17. und 18. Juni 2017 bevölkerten wir die schönen Gebäude des Dorfes und zeigten das Leben und Treiben sowohl der Deutschen, ob nun ortsansässig oder kriegsbedingt zugezogen, als auch der amerikanischen Soldaten.

(c) Sander Vermeulen

Ich war wieder als Näherin Elli vor Ort und durfte zusammen mit dem Kriegsheimkehrer Michael im Haushalt von Frau Waldheuer Quartier nehmen. Neben uns wohnten noch etliche andere Leute in diesem Haus, das Bild vom Mittagessen zeigt nur einen Bruchteil der Belegschaft. Ich ziehe den Hut vor unserer Hausherrin und ihren Helferinnen, die uns sehr lecker verköstigt haben. Gekocht wurde auf dem alten Holzherd, was wesentlich mehr Aufmerksamkeit erfordert als bei einem modernen elektrischen Herd. Wenn das Feuer ausgeht, dann kocht auch nix mehr… deshalb waren alle angehalten, ab und zu einen Blick hinters Ofentürchen zu werfen und notfalls Holz nachzulegen. Fliessend Wasser gibt es in dem Haus nicht, also war da noch der Wasserbehälter, der nachgefüllt werden wollte; die Wassereimer wurden zu diesem Zweck unzählige Male hin- und hergetragen.

Unser Zuhause war das ehemalige Schlafzimmer der Hofbesitzer im 1794 erbauten Bauernhaus aus Elzhausen. Die Möbel darin stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wir durften sämtliche Einrichtungsgegenstände nutzen und für einmal war meine geringe Körpergrösse hilfreich, denn alte Betten sind um einiges kürzer als ihre modernen Nachfahren. So konnte ich bequem ausgestreckt liegen, während sich grösser gewachsene Personen etwas zusammenrollen mussten. Als Nachttischchen nutzte ich einen Stuhl, auf dem sich neben meiner Lektüre rasch ein Sammelsurium diverser Dinge bildete. Unsere persönlichen Gegenstände liessen das Zimmer noch mehr wie ein richtiges Daheim wirken als es die museumseigene Ausstattung sowieso bereits tut. Es ist doch immer schön, wenn man mit seiner Sammelleidenschaft angehäufte Sachen herzeigen und damit zur Szenerie beitragen kann.

  

 

(c) Sander Vermeulen

Wie bereits gesagt war ich als Näherin unterwegs und in dieser Funktion bei der Schneidermeisterin Emma W. im Seldnerhaus tätig. Ausser mir arbeiteten noch zwei weitere Damen im Haus, die eine ebenfalls Näherin, die andere eine Schneidermeisterin, die auf der Reise zu ihrer Familie einen Zwischenhalt eingelegt hat.

Wir hatten gut zu tun; ausser den Näh- und Flickarbeiten für die Dorfbevölkerung bekamen wir auch viele Aufträge von amerikanischen Soldaten. Die wollten sich ihre Uniformen flicken oder neu verdiente Rangabzeichen aufnähen lassen. Diese Aufträge nahmen wir gerne an, denn von den Soldaten konnten wir für die Arbeit Schokolade, Zigaretten oder auch mal Coca-Cola bekommen. Alles beliebte Tauschware im Dorf… gut für uns! Einmal musste ein zufällig anwesender Heimkehrer als Schneiderpuppe herhalten, damit uns der Amerikaner zeigen konnte, wo die Aufnäher denn angebracht werden mussten. Erklären konnte er es uns wegen der Sprachbarriere ja nicht. Im Nachhinein frage ich mich auch, wie sich der ehemalige deutsche Soldat wohl gefühlt haben mag, als er die Uniform des Gegners überstreifte…

  

 

Neben der Arbeit gab es auch Vergnügen: Am Samstagabend haben wir uns alle fürs Dorffest feingemacht. Nach einem köstlichen Abendessen, welches wir dank der uns gut gesinnten Wettergötter unter freiem Himmel einnehmen konnten, gab es Musik und Tanz in der hübsch dekorierten Scheune. Der Männergesangsverein hat es sich nicht nehmen lassen, einige Lieder aus seinem Repertoire zum Besten zu geben. Auch die Amerikaner hatten einige gute Sänger in ihren Reihen und so ergab sich ein schöner Wechsel zwischen deutschen und englischen Stücken. Ja, Musik verbindet!

 

Das Dorffest war die beste Gelegenheit, um ein Foto zu schiessen, auf dem alle Mitwirkenden abgebildet sind. Dieses Bild wurde von Jens mit einer alten Kamera aufgenommen, mit einer Kodak 35 von 1946, um genau zu sein. Auch die beiden bereits gezeigten Fotos von Sander sind mit alten Kameras entstanden, er war mit einer Argus C3 und einer Rolleicord unterwegs.

(c) Jens Schmidt

 

Wie immer verging der Anlass wie im Flug! Am Sonntag waren wir noch den ganzen Tag für die Museumsbesucher da und am Montag hiess es dann schon wieder alles aufräumen und Abschied nehmen. Ich freue mich bereits jetzt auf das nächste Mal, wenn ich all die lieben Leute wiedersehe!

 

Michael und ich hatten uns dazu entschlossen, nach dem Anlass im Museumsdorf noch einen weiteren Tag in der Gegend zu bleiben und Heidelberg zu besuchen. Was für eine hübsche Stadt! Beim Schlossbesuch erlitten wir zwar beinahe einen Hitzekoller, aber Spass gemacht hat der Besuch trotzdem. Zeitweise sind wir vor der Hitze ins Apothekenmuseum geflüchtet, welches sich in einem Teil des Schlosses findet. Das war eine interessante Abwechslung zur Gebäudebesichtigung. Apropos Gebäude: Ich finde es sehr spannend, dass ein grosser Teil des Schlosses nach der Zerstörung nicht wieder aufgebaut wurde. Das ergibt spezielle Einblicke und wirkt sehr malerisch.
In der Stadt selbst war es auch warm (logisch…), aber gottseidank gab es dort genügend Möglichkeiten, den Häuserschatten entlang zu laufen. Etwas Gutes hat die Hitze: Wir konnten den lauen Abend bis in die Nacht hinein bei kühlen Getränken auf einer Restaurantterrasse ausklingen lassen.
Zum Abschluss des Heidelbergbesuchs haben wir uns am nächsten Tag noch auf den Heiligenberg begeben, um die Thingstätte anzuschauen. Ein beeindruckendes Bauwerk.

 

 

 

P.S.: Silvermedusa hat auch einen Beitrag zu diesem Anlass verfasst, viel Spass beim Lesen!

argh!

Mein erstes Nähwasduhast-Projekt fand soeben ein abruptes Ende. :-/
Aus einem Kissenbezug aus den 1930ern sollte ein Sommeroberteil nach dem 30s-Style-PJ-Top von Vera Venus werden. Der Bezug liess sich problemlos auftrennen und neu vernähen. Nur hat er leider dem ersten Anprobieren zum Zweck der Einzeichnung der definitiven Ärmelposition nicht standgehalten und ist an diversen Stellen eingerissen. Das heisst, der Stoff ist nicht mehr stabil genug, um als Kleidungsstück getragen zu werden. Wegwerfen werde ich ihn trotzdem nicht, da ich das Muster so hübsch finde. Eine Idee, die ich dafür habe, ist ein kleines Täschchen für Kosmetik oder ähnliches. Dafür kann ich den Stoff mit Bügelvlies verstärken, dann hält er mehr aus. Das 30s-Style-PJ-Top werde ich aus einem anderen Stöffchen aus meiner Sammlung nähen, denn ich mag diesen Schnitt sehr, selbst die halbfertige Bluse hat schon hübsch ausgesehen.

sommerliche Häkeltasche

Der Sommer in Taschenform, oder? Bei diesen Farben kann ich einfach nur an Sommer denken. 🙂

Das grüne und das lilafarbene Baumwollgarn lag schon länger in meinem Garnvorrat, war mal ein Schnäppchen im Handarbeitsladen. Ich musste das damals einfach mitnehmen, denn ich liebe die Kombination von Grün und Lila (und auch grün-violett). Allerdings reichte das Garn nicht für eine Tasche in der Grösse, wie ich sie gerne haben wollte. Also hab ich in einer Handarbeitsgruppe nach Vorschlägen für eine dritte Farbe gefragt. Ein Vorschlag aus dieser Gruppe – das Vanillegelb – hat dann meine ursprüngliche Idee verdrängt, cremeweiss oder silbergrau dazu zu nehmen. Ich bin mit den beiden urspünglichen Garnen ins Handarbeitsgeschäft gegangen und hab sämtliche Drittfarbideen dazugelegt, da fiel der Entscheid für Gelb dann recht schnell, die Kombi stach gegenüber allen anderen richtig raus.

Dass ich die Tasche in einem Wellen- oder Zickzackmuster haben wollte, stand schon länger fest. Ich habe mich dann online auf die Suche nach einem passenden Häkelmuster gemacht, und es auch prompt gefunden. Die Anleitung ist eigentlich für eine Decke gedacht, aber es stellte sich dann heraus, dass sie ohne Änderungen auch für eine Tasche zu gebrauchen ist. Die Zackenbreite ist genau so, wie sie mir gefällt und das Muster ist sehr einfach zu häkeln, es besteht nur aus Stäbchen. Eine kleine Knacknuss stellte dann die Art und Weise dar, wie die Henkel an die Tasche gemacht werden sollten. Ich habe mich für lange Stäbchen entschieden, in der ersten Reihe derselben habe ich einige Maschen zusammengehäkelt, so dass sich die Henkelbreite ergab. Die Henkel anhäkeln war eine etwas friemelige Arbeit, irgendwie kamen mir die Henkel immer in die Quere. Aber schlussendlich hat’s ja doch geklappt und sieht ganz hübsch aus. Die Tasche passt nicht nur zu Vintagekleidung sondern sieht auch zu schwarzen Jeans richtig toll aus… also wird sie wohl sehr oft getragen werden.

#nähwasduhast

sewwhatyougot-450x693Heute habe ich wieder einmal den Blog von Mrs. Button besucht und bin dort über eine interessante Näh-Herausforderung gestolpert: ‚Sew What You Got‘; zu Deutsch ‚Näh was Du hast‘. Dabei geht es darum, acht Kleidungsstücke nur mit bereits im eigenen Vorrat vorhandenem Stoff und nach Schnitten aus der eigenen Sammlung herzustellen. Einzig der Zukauf von Kurzwaren ist erlaubt. Jeder Schnitt darf nur einmal verwendet werden. Da ich – wie wohl die meisten Näherinnen – über ein reichliches Stofflager verfüge und auch jede Menge Schnittmuster mein Eigen nenne, fiel der Entschluss, an dieser Herausforderung teilzunehmen, sehr leicht.

Meine ersten Ideen kann ich hier bereits präsentieren. Sie werden alle nach Schnitten genäht, die ich mir schon vor einer Weile heruntergeladen, aber dann doch nie ausgedruckt und weiterverarbeitet habe. Die Dateien verstecken sich halt so gut auf dem Rechner…

Ein Kleid aus einem alten Bettbezug mit lila Blumendruck, nach dem Schnitt „1940s Swing Dress“ von Sense & Sensibility Patterns oder nach einem Wickelkleidschnitt, da muss ich noch etwas überlegen.

Ein Sommerkleid aus Hibiskusblütenstoff, nach einem Schnitt von Vera Venus (Sundress Bodice und Teller- oder Halbtellerrock).

Ein Oberteil aus einem alten Kissenbezug mit blauen Blümchen, nach dem „30s style PJ-Top“-Schnitt von Vera Venus.

Ein Dirndlkleid aus einem alten Bettbezug mit blauem Blumendruck, diesen Stoff werde ich wohl noch etwas einfärben. Der Schnitt ist von Burda, das Schösschen werde ich weglassen.

Mal schauen, welche weiteren Schnitt-und-Stoff-Kombinationen sich aus meinem Vorrat noch ergeben werden. 🙂

Kissenschürze

Ich habe mich – wie schon so oft – wieder mal durch Frl. Swing inspirieren lassen. Sie zeigte eine hübsche Schürze, die mich gleich dazu animiert hat, eine eigene Version nähen zu wollen.

Bei meiner Schürze gibt es im Vergleich zur Variante von Frl. Swing einige Unterschiede: Die Abnäher, Schulterrüschen und die Tasche habe ich weggelassen sowie anstelle der langen Bänder Knöpfe zum Schliessen angebracht. Die Bindebänder fielen nicht deshalb weg, weil mir eine Schleife nicht gefällt, sondern weil ich zu wenig Stoff dafür hatte. Ich habe nämlich einen alten Kissenbezug umgearbeitet und hatte dementsprechend nur knapp bemessenen Stoff zur Verfügung; 80 x 150 cm, um genau zu sein.

Der Kissenbezug musste zuerst einmal in ein nutzbares Stück Stoff verwandelt werden, also als erstes alle Nähte auftrennen (zum Glück gibt’s Nahttrenner…) und die Knöpfe abnehmen. Dann ab in die Wäsche mit dem Stoff, bügeln, und schon ist das ehemalige Kissen bereit dafür, ein neues Leben als Schürze zu beginnen.

Die Schürze ist sehr einfach zu nähen und trotzdem habe ich es verhauen, wie man auf den Bildern sieht. Die Taille ist trotz ausgiebigem Messen zu weit und die Träger muss ich auch nochmal überarbeiten (und eventuell den von Frl. Swing in der Anleitung empfohlenen Steg anbringen). Aber das gute Stück gefällt mir trotzdem schon, ich mag Karostoffe einfach. Die fertige Schürze fand ich etwas schlicht, deshalb habe ich noch kleine Motive aus schwarzem Baumwollgarn aufgestickt. Eine Tasche gab’s dann doch auch noch, allerdings auf der Innenseite der Schürze, aussen drauf gefiel sie mir nicht. Jetzt liegt die Schürze erstmal auf dem Änderungsstapel, sobald ich sie anpassen konnte, gibt’s neue Fotos. 🙂